Der „Bosnisch-Herzegowinische November“ in Wien

Der „Bosnisch-Herzegowinische November“ bringt Theater aus Bosnien-Herzegowina nach Wien. Neben dem Gastspiel Ajmo na fuka / Lass uns Kaffee trinken stehen Konzerte und Lesungen am Festival-Programm. 

Das Theater genießt einen hohen Stellenwert in Bosnien und Herzegowina – gerade auch unter widrigen Umständen und in schweren Zeiten. Seit 1960 richtet Sarajevo jährlich das renommierte Theaterfestival MESS aus. In den Neunzigern, zur Zeit der Belagerung der Stadt, wurde das Sarajevoer Kriegstheater gegründet und von seinem Publikum trotz Lebensgefahr Abend für Abend besucht.

Diese Tatsachen führen beispielhaft die Wertschätzung, die Offenheit und das hohe Interesse vor, welche dem Theater in Bosnien und Herzegowina entgegengebracht werden. An diese Tradition eines weltgewandten Theaters knüpfen heutige Theaterschaffende in Bosnien und Herzegowina an. Der Krieg, gerade einmal 20 Jahre vergangen, bildet dabei noch immer den Horizont, vor dem sich neue Erlebnisse sortieren, doch weist die künstlerische Entwicklung in Richtung einer Zukunft, die an das reiche Erbe des Landes anknüpft.

Über 200.000 Menschen aus Bosnien und Herzegowina leben in Österreich und machen das Gesicht des Landes mit aus. Sie kamen in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter/innen und vor allem in den 1990er-Jahren auf der Flucht vor dem Krieg. Einige gingen zurück, andere pendeln zwischen hier und dort. Der jahrhundertelangen Geschichte von Nachbarschaft und Austausch der beiden Länder, von Besatzung, Verflechtung, Verklärung, von Entgegenkommen, Anteilnahme und gegenseitiger Bereicherung werden neue Kapitel hinzugefügt.

Im Rahmen von Kulturjahr Österreich – Bosnien und Herzegowina 2016 präsentiert das Volkstheater ein Gastspiel einer aktuellen Theaterproduktion. Begleitet von einem Filmprogramm, Gesprächen und Musik wird das Volx/Margareten ein Wochenende lang zum Forum eines österreichisch-bosnisch-herzegowinischen Austauschs.18. und 19. November 2016.

Ajmo na fuka / Lass uns Kaffee trinken
von Dragan Komadina, Robert Pehar und Saša Oručević
Regie Dragan Komadina
mit Robert Pehar und Saša Oručević
Gastspiel des Nationaltheaters Mostar und des Kroatischen Nationaltheaters Mostar
In bosnischer und kroatischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Im Krieg spaltete sich die herzegowinische Stadt Mostar in einen bosnischen und einen kroatischen Teil. Nach dem Krieg bespielten zwei Ensembles unabhängig voneinander zwei Theaterhäuser – bis sie nach zwanzig Jahren mit Ajmo na fuka zum ersten Mal eine Zusammenarbeit wagten. Das Stück zeigt das Schicksal eines bosnischen und eines kroatischen Soldaten in drei Varianten: als Soldaten in den verfeindeten Schützengräben in Mostar 1993; als tote Kriegsopfer, die im Jenseits auf das Urteil Gottes warten; sowie als Überlebende in Mostar nach Kriegsende.
Stückeinführung vor den Vorstellungen, anschließend Publikumsgespräch
Freitag, 18., und Samstag, 19. November, jeweils 19.30 Uhr

Konzert
Sevdah Takht
Sevdalinka wird die während der osmanischen Herrschaft entstandene Liedform mit romantischem Inhalt genannt, die zur Volksmusik Bosnien-Herzegowinas zählt und heute dort und in anderen Ländern Ex-Jugoslawiens und auch in Osterreich rege praktiziert wird. Die bosnisch-österreichische Band Sevdah Takht präsentiert eine heutige Version der Sevdalinka.
Freitag, 18. November, 21.30 Uhr

Sječaš li se Sarajeva? / Do you remember Sarajevo?
Dokumentarfilm (OmeU)
Eine Vielzahl von Amateurvideos, in denen Einwohner/innen Sarajevos den Alltag in ihrer belagerten Stadt zwischen 1992 und 1995 dokumentierten, collagierten Nihad Kreševljaković, Sead Kreševljaković und Nedim Alikadić zu einem knapp einstündigen Film. Dabei entstand ein in seiner Form einzigartiges Stück kollektiver Geschichtsschreibung.
Anschließend Publikumsgespräch
Samstag, 19. November, 17 Uhr

Mehr informationellen: volkstheater.at