Erfolgreiche Geschäftsfrauen in der bosnischen Community (1) – Adnana Lucia von Kwiatkowski

BOSANSKI

Damit wir unser erwünschtes Ziel erreichen, muss der Wille zum Erfolg größer sein als die Angst vor dem Misserfolg. Dieser Leitsatz muss für Frauen in der Geschäftswelt stets führend sein, genauso wie das Prinzip „Benimm’ dich wie eine Dame, denk’ wie ein Mann”.  Wie sich das im privaten als auch geschäftlichen Leben anwenden lässt hat uns Adnana Lucia von Kwiatkowski aus der Perspektive einer erfolgreichen Geschäftsfrau erzählt.

Text: Lejla Đuderija, Pangea

Diese bemerkenswerte Unternehmerin wurde 1975 in der bosnischen Stadt Gradiška geboren. Mit 16 Jahren zog sie nach Deutschland, wo sie das Gymnasium abschloss. Zunächst studierte sie fünf Jahre lang Medizin und entschloss sich daraufhin, ihren Ausbildungsweg zu ändern.

„Nachdem ich mein Studium in Medienwirtschaft abschloss, war ich zuallererst in der deutschen Telekom als Projektmanagerin tätig und wechselte danach in die 1&1 Internet AG. Anfangs war ich als Prozessmanagerin beschäftigt, jedoch wechselte ich meine dortige Position und bin jetzt als Senior Consultant und Teamlead im Consulting Bereich angestellt. Derzeit habe ich zehn ArbeiterInnen unter meiner Leitung und kümmere mich um die Projekte  unserer Kunden, welche unter anderem Telekom und Vodafone sind.”

Adnana Lucia von Kwiatkowski

Unternehmerinnen wissen am besten, wie schwer es ist, eine Position in der Geschäftswelt zu sichern und gleichzeitig die Pflichten, die man gegenüber der Familie hat, zu erfüllen. Von Kwiatkowski lebt mit ihrer Familie derzeit in Köln.

Wie stellt man das Gleichgewicht zwischen dem Beruf und der Familie her? Ist es notwendig, Abstriche bei der Familie zu machen, um dem erwünschten Karriereplan nachzugehen?

„In Bezug auf die Familie kann ich Ihnen sagen, dass es sowohl für den Mann, als auch für die Frau gewiss nicht einfach ist.  Mein Ehemann und ich sind beide vollzeitbeschäftigt und haben weder Familie noch Verwandte, die in unserer Nähe leben und uns unterstützen könnten. Mein Sohn wurde am Anfang meines ersten Studiums geboren. Alles, angefangen vom Kindergarten und der Babysitterin bis hin zum Lebensunterhalt, musste organisiert werden. Von klassischen Kinderkrankheiten möchte ich erst gar nicht anfangen. Wir haben gleichzeitig studiert und gearbeitet, da wir finanziell weder von unserer Familie noch anderweitig Unterstützung erhielten. Unser Kind war im Kindergarten und hatte zusätzlich eine Babysitterin. Wir hatten keine Möglichkeit, uns teure Autos oder kostspielige Urlaube zu gönnen. Es fehlte uns jedoch nie an etwas und wir widmeten unseren Kindern jede freie Minute. All diese Bemühungen haben sich gelohnt. Ich lege es jedem ans Herz, seinen Zielen nachzugehen, denn alles ist machbar. Wenn ich es mir erneut aussuchen könnte, würde ich die gleichen Entscheidungen treffen: Meine Kinder sind ein zentraler Punkt in meinem Leben und alle Familienangelegenheiten lassen sich regeln. Wichtig ist, dass jeder seinen Plan und seine Verantwortungen kennt. Wenn ein Problem im Leben oder eine Veränderung der Situation eintritt, ist es am wichtigsten, einen Plan zu schmieden und diesen stets zu verfolgen. Die gleiche Vorgehensweise kann man auch nach dem Studium in der Arbeitswelt anwenden: Gute Organisation privater Angelegenheiten und Standhaftigkeit sind der Schlüssel zum Erfolg.“

Das Netzwerk bosnischer Studenten und Akademiker in Deutschland (NBSAD) wird im Rahmen der Projektgruppe Mentoring” den Bereich Women-Mentoring” einführen, wofür Adnana Lucia von Kwiatkowski zuständig sein wird.

„Das Netzwerk ist eine beeindruckende Organisation, die nützliche Ideen hervorbringt. Die Idee hinter meinem Mentoringprojekt entsprang aus meinem derzeitigen Unternehmen, das dieses Programm schon jahrelang verfolgt, weil es bei uns nicht viele Frauen gibt, die geschäftlich miteinander in Kontakt treten könnten. Dadurch konnte ein großer Kreis von Kontakten entstehen, die sich in ganz Deutschland kennenlernen können. Diese Art von Networking zwischen Firmen, aber auch Privatpersonen, wird in Deutschland immer beliebter.  Ich pflege zu sagen, dass es sehr wichtig ist, immer mehr Menschen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Jeder trägt seine Arbeits- als auch Lebenserfahrungen mit sich, aus denen wir etwas lernen können. Was die Frau und das Mentoring betrifft, kann ich behaupten, dass es außerordentlich gut funktioniert. Wenn Frauen zusammenkommen, treffen verschiedene Geschichten, Erfahrungen und Sichtweisen aufeinander. Meine Erfahrung damit ist, dass man eine Frau, die dieses Mentoring unterstützt, jederzeit anrufen kann, sei es zu einem Treffen auf einen Kaffee oder weil man auf der Suche nach einer neuen Arbeit ist. Das ist eine starke Gemeinschaft, wenn diese dementsprechend gut gepflegt wird.“

Unternehmerinnen nehmen die Welt anders wahr. Das bedeutet, sie sehen keine Gelegenheit, sondern schaffen sie.

Das Ziel des Projekts „Women-Mentoring“ ist es, Entwicklung auf jeder möglichen Ebene zu zeigen. Von Kwiatkowski ist der Meinung, dass Frauen die Welt anders wahrnehmen und dadurch besondere Gelegenheiten entstehen. Wenn Sie einen guten und aktiven Kreis von Menschen um sich haben, mit denen Sie regelmäßig in Kontakt stehen, wird es Ihnen nicht passieren, dass Sie eine Gelegenheit verpassen oder dass Ihnen keiner zur Seite steht, wenn Sie ein Problem überbrücken müssen.

„Alle Ideen, genauso wie das ganze Leben, sind in ständiger Bewegung. Unser Ziel ist es, dass auch wir uns gemeinsam konstant bewegen, denn keiner lebt in der Vergangenheit und die Zukunft wartet auch auf keinen”, meint von Kwiatkowski.

Demnächst  wird diese beeindruckende Unternehmerin mit neuen Projekten in einer anderen Firma tätig sein und die Position der Managerin einnehmen.

Zum Abschluss unseres Gesprächs erläutert Frau Kwiatkowski was das wichtigste im Geschäftsleben ist und auf was Frauen besonders achten sollten:

„Leider, oder doch zum Glück, kann ich Ihnen dazu nur einen Ratschlag geben: Achtet darauf, wie sich Männer in Führungspositionen benehmen und passt euch daran an. Es geht nicht darum, seinen Charakter zu vergessen oder seine Seele zu verkaufen – vielmehr geht es um professionelle Neutralität. Würde man mich in meinem näheren Berufsfeld nicht kennen, könnten niemand sagen, welche Entscheidung eine Frau bzw. ein Mann getroffen hat. Letzten Endes geht es um das Business in der Geschäftswelt und um nichts anderes. Niemanden interessiert das Privatleben des anderen. Mein Unternehmen und meine Vorgesetzten erwarten, dass ich stets Leistungen erbringe. Im Privatleben ist es wichtig, gut organisiert zu sein. Alles andere fügt sich dann von selbst. Ein weiterer Ratschlag zum Schluss: Sagt nie, dass etwas nicht funktioniert bzw. unmöglich ist, bevor ihr es nicht selbst versucht habt. Bildung ist das größte Geschenk, das ein Mensch sich machen kann, und das auch im Geschäftsleben zu Nutze kommt. Probleme sind da, um sie zu lösen. Man stellt sich immer diesselbe Frage dabei – „Wie?“

Im Leben ist es notwendig, aufmerksam zuzuhören und zu beobachten, da man nicht wissen kann, was einen dazu bewegt, eine Entscheidung zu ändern und eine gute Gelegenheit zur persönlichen Entwicklung zu erkennen. Umgeben Sie sich mit Menschen, die das Beste aus Ihnen herausholen und Sie dazu bewegen, immer höhere Ziele anzustreben – Sie werden bald auch von selbst nach den Sternen greifen wollen.“


Mehr Beiträge in der zweiten Ausgabe des Magazins Pangea!