Impressionen vom pangea | talk – Thema: Migranten in der Politik – Berlin, 26. März 2019

Das Netzwerk bosnischer Studenten und Akademiker in Deutschland lud am 26. März 2019 in die Räumlichkeiten der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin ein, um zusammen mit Dr. Maja Lasic, MdA in Berlin, und Dr. Damir Softic, Politikwissenschaftler und Soziologe an der Humboldt-Universität zu Berlin, über das Thema „Migranten in der Politik“ zu sprechen. 

Im Vordergrund der Diskussionsrunde standen dabei folgende Fragen:
– Welche spezifischen Erfahrungen machen Politiker mit Migrationshintergrund im Politikbetrieb?
– Welche Bedeutung hat der Migrationshintergrund für den politischen Aufstiegsweg?
– Warum ist die politische Repräsentation von Menschen mit Migratiosnhintergrund immer noch auf einem niedrigen Niveau?

Im ersten Teil des Gesprächs wurden allgemeine Informationen bzgl. der aktuellen Lage von Migranten in der politischen Landschaft Deutschlands diskutiert. Nach Recherchen des MEDIENDIENSTES sitzen 58 Parlamentarier von insgesamt 709 aus Einwandererfamilien im neuen Bundestag – das entspricht rund acht Prozent aller Abgeordneten. Damit ist ihr Anteil im Vergleich zu 2013 leicht gestiegen. Politiker mit Migrationshintergrund seien aber weiterhin deutlich unterrepräsentiert: In der Gesamtbevölkerung habe mittlerweile fast jeder Vierte eine Einwanderungsgeschichte. Auf die Frage, welche Erfahrungen man als Politikerin mit Migrationshintergrund macht, antwortete Dr. Maja Lasic, dass sie keine spezifischen Erfahrungen auf ihre Migrationsgeschichte zurückführen könne. Sie unterstrich aber, dass einige ihrer politischen Ideale und Visionen durch ihre Migrationsgeschichte geleitet werden. Das sei unter anderem ein Grund für ihr starkes Engagement zum Thema Bildung. Zudem unterstrich sie die Unterschiede auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene, für jede dieser Ebenen würden andere Erfahrungen gelten.

Dr. Damir Softic hat im Anschluss Bezug auf die in seinem Promotionsthema “Neue Eliten? Migranten in der Politik“ herausgearbeiteten Typologien genommen: bei der ersten geht es um die Frage, wie sich die Migrantenpolitiker in Bezug auf ihre Migrationsgeschichte fühlen. Grob lassen sich zwei Typen unterscheiden. Den ersten Typen nenne ich den „Assimilationstyp“, der sich an die deutschen Diskurse und Vorstellungen von Gesellschaft sehr angepasst hat. Ein typisches Beispiel für diesen Typ ist folgende Aussage: „Mein Vater ist zwar aus Indien, aber ich bin deutscher Politiker.“

Der zweite Typ wird unter dem Begriff „ethno-politisches Unternehmertum“ zusammengefasst, der von Rogers Brubaker beschrieben wird. Das sind Personen, die sich ganz stark mit ihrer Herkunftsethnie identifizieren. Typische Aussagen für diesen Typ sind beispielsweise: „Ich bin von der Herkunft her das, was ich bin und das will ich auch bleiben“ oder „Ich habe heftige Diskriminierungserfahrungen erlebt und dagegen will ich auch ankämpfen. Aus diesem Grund gehe in die Politik“. Wir haben also diese zwei Typen bei der Frage, wie mit Migrationsgeschichte umgegangen wird. Der Begriff „ethno-politischer Unternehmer“ deswegen, weil Brubaker sagt, die Leute würden daran mitarbeiten, die ethnische Identität zu erhalten.

Zum Ende der Veranstaltung hin wurden mögliche Lösungsansätze diskutiert, wie bspw. eine Quote für Migranten in Parteiorganen, Schaffung von Vorbildern und ehrenamtliches Engagement generell. Dr. Maja Lasic wies darauf hin, dass man zunächst eine größere Basis von Menschen mit Migrationshintergrund in der Parteienlandschaft brauche, um über weitergehende Schritte nachzudenken.

Sowohl Dr. Maja Lasic als auch Dr. Damir Softic kamen zu dem Schluss, dass Initiativen wie das pangea | netzwerk für Professionals, Unternehmer und Studierende mögliche Lösungen sein können, um Menschen mit Migrationshintergrund an ehrenamtliches Engagement und politische Bildung heranzuführen, was schließlich zu einen höheren Beteiligung am politischen Diskurs in Migranten-Communities führt.

 

Wir danken insbesondere Dr. Maja Lasic und Dr. Damir Softic für ihre Teilnahme an dieser Diskussionsrunde. Ebenso bedanken wir uns bei der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Unterstützung und natürlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Events!

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