Interview mit dem Botschafter Bosnien und Herzegowinas in Deutschland

Mit dem Botschafter Bosnien und Herzegowinas, S.E. Željko Janjetović, haben wir über die Situation und Potentiale der Diaspora und der Rolle Deutschlands in politischen und wirtschaftlichen Fragen gesprochen.

Die Arbeit der Botschaft und Konsulate Bosnien und Herzegowinas in Deutschland sind selten Thema in den Medien und generell in der Gesellschaft. Welche Rolle müssen diese Institutionen für die bosnisch-herzegowinische Gemeinschaft in Deutschland spielen?

In der Zeit seit meiner Ernennung zum Botschafter Bosnien und Herzegowinas habe ich mich im Rahmen der Möglichkeiten bemüht, den Kontakt zur Diaspora in persönlichen Gesprächen herzustellen.

Für mich sind der Dialog und Kommunikation die wichtigsten Elemente. Die Botschaft und Konsulate müssen der Diaspora so nah stehen, wie sie uns nahesteht. In meiner bisherigen Arbeit habe ich den Kontakt zu Studierenden gesucht. Wir hatten zwei Veranstaltungen hier in der Botschaft, bei der Vorstellung Ihrer Organisation, in Stuttgart. Ohne Kommunikation können wir wenig schaffen, alles andere liegt an der Initiative und Bereitschaft der Diaspora selbst. Die Botschaft und die Konsulate dürfen nicht nur als Ort der Pflicht wahrgenommen werden, sondern als Ort, an dem die Diaspora ihre Ideen und Projekte vorstellt, genau wie Sie es getan haben.

Ich schätze und respektiere das. Vieles liegt an der Diaspora selbst, sich in diese Prozesse einzubinden. Wir haben die Aufgabe, der Rückenwind für diese Initiativen zu sein. Unsere Türen stehen offen, nicht nur in Berlin, sondern auch in Frankfurt am Main, Stuttgart und München.

Welche Rolle sollte die Diaspora bei dem Aufbau Bosnien und Herzegowinas spielen?

Die Diaspora muss ein aktiver Partner beim Aufbau Bosnien und Herzegowinas sein, da reichen die monatlichen Überweisungen an Verwandte nicht aus. Sie sind als solche ein äußerst wichtiges Element der wirtschaftlichen Sicherung, aber nicht des Wachstums Bosnien und Herzegowinas. Die Diaspora ist bereit, sich aktiv an der wirtschaftlichen Entwicklung in Bosnien und Herzegowina zu beteiligen, sie steht für Treffen, Gespräche und Ideen gerne zur Verfügung. Uns bleibt nichts Anderes übrig als Optionen zu suchen, den Austauschmit der Diaspora inhaltlich weiter zu intensivieren und effizienter zu gestalten. Im Fokus meiner Arbeit liegt die Wirtschaft, da ich der Meinung bin, dass es ohne wirtschaftliche Entwicklung keine langfristig positive Entwicklung geben kann. Die Diaspora in Deutschland hat sich gut positioniert, mit Know-How in verschiedenen Bereichen und einer Vielzahl von Kontakten. Danach suchen wir in der Diplomatie, um zusammen zu arbeiten und die Diaspora in den Dienst ihrer Heimat zu stellen. Mit ihrem Know-How und Kontakten können sie Investoren nach Bosnien und Herzegowina bringen, das System aufbauen und einen wichtigen Baustein in der positiven Entwicklung Bosnien und Herzegowinas darstellen.

Durch den Berliner Prozess und die Deutsch-Britische Initiative lässt sich ein großes Interesse Deutschlands an einer positiven Entwicklung Bosnien und Herzegowinas erkennen. Wie ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina?

Es besteht ein Unterschied zwischen der Deutsch-Britischen Initiative und dem Berliner Prozess. Der Berliner Prozess bezieht sich auf die gesamte West-Balkan-Region. Ohne die positive Entwicklung der Region kann es auch keine positive Entwicklung von Bosnien und Herzegowina geben. Wenn die gesamte Nachbarschaft unglücklich ist, kann man selbst auch nicht glücklich sein.

Die Deutsch-Britsche Initiative bezieht sich ausschließlich auf den europäischen Weg von Bosnien und Herzegowina. Tatsache ist, dass wir eine ehrliche Unterstützung der deutschen Regierung und Kanzlerin Merkel haben, die ihr persönliches Ansehen eingesetzt und europäische Partner überzeugt hat, die kein Vertrauen in Bosnien und Herzegowina hatten. Die besten Freunde vertrauen einem auch in einer Situation, in der sich Bosnien und Herzegowina gerade befindet. Deutschland hat sich in dieser Situation als größer Verbündeter unseres Landes gezeigt. Wenn es diese Initiative nicht gegeben hätte, wäre es fragwürdig, ob wir heute über den weiteren Weg Richtung EU reden würden. In naher Zukunft wird man sehen, dass sie eine Schlüsselrolle auf dem weiteren Weg Bosnien und Herzegowinas in Richtung Europäische Union gespielt hat.

Dennoch bin ich der Meinung, dass keine Regierungsinitiative so wichtig ist wie die konkreten Taten danach. Nach dem 20. September und dem grünen Licht für den weiteren Weg in Richtung EU befinden wir uns am Anfang eines Prozesses, der unter anderem das Ausfüllen eines Fragebogens von mehr als 1000 Fragen beinhaltet, um die aktuelle Situation festzuhalten und analysieren zu können, welche Teile des Systems nach den Richtlinien der Europäischen Union standardisiert werden müssen.

Es gilt aber auch, dass diese Art der Unterstützung, die uns Deutschland gegeben hat, nicht ohne Grenzen ist. Der Ball liegt bei uns, wir müssen die Bereitschaft zeigen, um das Vertrauen rechtfertigen zu können.

Deutschland ist neben der politischen Unterstützung auch einer der wichtigsten Handelspartner von Bosnien und Herzegowina. Auf welche Art und Weise wollen Sie die wirtschaftlichen Beziehungen dieser beiden Länder verbessern?

Das Handelsvolumen zwischen Bosnien und Herzegowina und Deutschland ist nach Kroatien das größte im Vergleich zu anderen Ländern Europas und der Welt, was bedeutet, dass unsere Wirtschaft die besten Ergebnisse in Richtung Deutschland liefert. Im Jahr 2015 betrug das Handelsvolumen ca. 1,6 Mrd. Euro, die Deckung des Imports mit dem Export lag bei 93%. Ich war auf der Möbelmesse in Köln, der Industriemesse in Hannover und habe unsere Unternehmen und deren Know-How, Willen und Enthusiasmus gesehen, mit dem sie hier auf den Markt kommen und erfolgreich sind.

Deutschland ist in mehreren Bereichen an einer Zusammenarbeit interessiert, u.a. im Bereich Energie, Landwirtschaft, Lebensmittel und Metallindustrie. Wir müssen die Wirtschaftsreformen umsetzen, um die Gesetzeslage weiter zu vereinfachen und mögliche Investoren anzuziehen.

Vollständiges Interview mit Botschafter  S.E. Željko Janjetović könnt ihr in deutscher und bosnischer Sprache in der ersten Ausgabe von Pangea lesen > HIER!