Kalter Frieden – Deutschlandfunk bring Stimmen aus Bosnien

Unter internationaler Vermittlung rauften Serben, Kroaten und Bosnier sich 1995 nach dem Ende des blutigsten aller jugoslawischen Erbfolgekriege zusammen. Das Ergebnis: ein ungeliebter, fragiler und bitterarmer Staat mit wenig Kompetenzen für die Zentralregierung und ein kompliziertes Verwaltungssystem. Deutschlandfunk bringt die Stimme der Bürger aus verschiedenen Ethnien und verschiedenen Professionen. Von Elke Windisch.

„Oh ja, ha. Jede Stadt verändert sich, ohne dass wir es bemerken… Man braucht da nur die Klänge zu nehmen. Ich habe die Stadt immer über den Ton wahrgenommen und tue das auch jetzt. Sarajevo hat sich verändert. Als ich 2003 wiederkam, gab es viele neue Klänge. Ein Beispiel nur: Der Fastenmonat fiel auf den Herbst. September oder Oktober. Und in der islamischen Welt werden zum Iftar – dem Fastenbrechen – Kanonen abgefeuert. Das gab es hier früher nie. Das war für mich nicht nur ein neuer Klang, sondern ein exotischer. Auch die Moscheen sind ein bisschen lauter geworden. Und ich hatte, als ich zurückkam, auch den Eindruck, die Musik ist mehr orientalischer. Das hat mich aber nie gestört. Ich kannte das ja schon aus Skopje. Und da kam mir manchmal der Gedanke: Schade, dass wir das in Sarajevo nicht haben.“

…sagt der Serbe Željko Bajić. Der Jugo-Nostalgiker, der von Europa träumt. Von einem Europa als neuer Heimat aller Spaltprodukte Jugoslawiens. Der Mann, der mit den Augen nur Hell und Dunkel wahrnehmen kann. Die Grautöne dazwischen erschließt er sich mit anderen Sinnen umso genauer.

„Auf dem Weg hierher habe ich übrigens bemerkt, dass hier in der Baš Čaršija inzwischen auch Musik von Nationalisten gespielt wird, Serbischen, die früher auf der anderen Seite der Barrikade standen. Damit zeigt die Stadt ihre Toleranz, ihr Verständnis für Anderssein. Und dass sie den Krieg hinter sich gelassen hat. Das Leben geht weiter, jetzt ist eine Generation heran gewachsen, die der Musik aus den Neunzigerjahren keine Symbolik mehr unterstellt und nur noch zwischen guter oder schlechter Musik unterscheidet. Und das heißt, diese Stadt lebt wieder normal.“

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