Oberhaupt der Schweizerische Evangelische Kirchen: Der bosnische Islam ist unser Partner

Auf Einladung des geistigen Oberhaupts der bosnischen Muslime, Husein Kavazović, reiste Kirchenbundspräsident Gottfried Locher nach Sarajevo. Er unterzeichnete die «Sarajevo Message» als Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen Schweizer Reformierten und bosnischen Muslimen. Die Zeitung «reformiert.» hat Locher auf seiner Sarajevo-Reise begleitet. Von Felix Reich.

Mit welchen Gefühlen reisen Sie aus Sarajevo ab?

Gottfried Locher: Mit der Genugtuung, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Und mit dem beklemmenden Eindruck, den der Besuch des Museums zum Genozid von Srebrenica bei mir hinterlassen hat. Hier wurde mir nochmals schmerzhaft bewusst, wie tief die Wunden sind, die dieser furchtbare Krieg hinterlassen hat, der vor gut zwanzig Jahren in Europa geführt wurde. Umso eindrücklicher war für mich zu sehen, mit welchem Vertrauen und welcher Ernsthaftigkeit hier der interreligiöse Dialog geführt wird. Ich durfte vier Vertreterinnen und Vertreter der katholischen und orthodoxen Kirche sowie der jüdischen und muslimischen Gemeinschaft treffen, die zuweilen durchaus gegen politische Widerstände unermüdlich Versöhnungsarbeit leisten. Zuletzt kehre ich auch mit der Bestätigung zurück, dass uns die Beziehungen zwischen Reformierten und Muslimen nicht gleichgültig sein dürfen.

Hat sich Ihr Blick auf die muslimische Gemeinschaft in Bosnien verändert?

Meine Vermutung hat sich bestätigt, dass hier ein europäischer, intellektuell reflektierter Islam anzutreffen ist.

Ist diese Form des Islam bedroht?

Der Islam hier muss darum kämpfen, ein europäisches Gepräge zu behalten, dialogfähig zu bleiben und Versuche der Einflussnahme aus der arabischen Welt abzuwehren. Insofern haben wir gemeinsame Interessen. Wir beide wollen Religion in einem aufgeklärten Umfeld kommunizieren und leben. Der bosnische Islam ist ein Partner der reformierten Kirche in der Schweiz, wenn es darum geht, extremistische Positionen abzulehnen.

Welches sind für Sie die wichtigsten Punkte der Vereinbarung, die Sie unterzeichnet haben?

In der Sarajevo Message steht mehr drin, als ich mir auf dem Hinflug hätte träumen lassen. Es ist das erste Mal, dass ich von muslimischer Seite ein Bekenntnis zur Religionsfreiheit lese: Der Glaube ist frei wählbar. Zudem werden Extremismus und Gewalt verurteilt, insbesondere wenn sie aus den eigenen Reihen kommen. Damit wird implizit anerkannt, dass es diese Probleme in der eigenen Religion gibt. Auch bekennen sich die Muslime zu gleichen Rechten für Mann und Frau, wenn auch noch etwas zögerlich. Ausdrücklich bejaht werden die rechtsstaatlichen und demokratischen Prinzipien, die in der Schweiz gelten.

Sind das nicht Selbstverständlichkeiten für eine Gemeinschaft, die seit Jahrzenten in der Schweizer Diaspora lebt?

Sicher. Aber es ist das erste Mal, dass ich diese Zusicherung schriftlich erhalten habe. In Zeiten grosser Verunsicherung sollten wir nichts vorschnell für selbstverständlich nehmen.

Aber noch ist die Vereinbarung nur ein Papier.

Das ist so. Sie ist nicht mehr als ein Papier. Wir müssen sie nun gemeinsam mit Leben füllen. Zuversichtlich stimmt mich, dass wir um einzelne Formulierungen intensiv gerungen, manchmal sogar gestritten haben. So stelle ich mir den religiösen Frieden vor: Dass wir eine offene Diskussionskultur etablieren, in der auch gestritten werden kann, ohne dass das gegenseitige Vertrauen erschüttert wird.

Nimmt die Vereinbarung einzig die Muslime in die Pflicht?

Der Kirchenbund sichert mit diesem Papier zu, ein verlässlicher Partner zu sein. Wir sind ernsthaft an dieser Beziehung interessiert. Deshalb ist die Vereinbarung eben doch mehr als ein Papier. Dass sie möglich wurde, verdanken wir auch der Arbeit, die unsere Kantonalkirchen seit Jahren leisten. Dort wurde viel Vertrauen aufgebaut. Ich denke zum Beispiel an den Interreligiösen Runden Tisch in Zürich oder das Haus der Religionen in Bern. Am wichtigsten sind aber vielleicht die Kontakte, die auf Gemeindeebene von Pfarrerinnen und Pfarrerin mit Imamen geknüpft wurden und konkrete Begegnungen zwischen den Menschen ermöglichen.

Welche Wirkung erhoffen Sie sich in der Schweiz?

Zuerst schafft die Vereinbarung Vertrauen. Ebenso wichtig ist das Signal an andere muslimische Gemeinschaften. Das Papier zeigt, wie eine Vertrauensbasis für die Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche in der Schweiz aussieht.

In welchen Fragen brauchen die bosnischen Muslime die Unterstützung des Kirchenbunds?

Sie haben ein Anrecht darauf, als Gesprächspartner auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Und sie haben Anrecht auf Unterstützung in ihrer schwierigen Lage, zwei Identitäten miteinander zu versöhnen. Die bosnischen Muslime leben einen in ihrer geographischen Heimat verwurzelten, in der Schweiz noch fremden Glauben und zugleich eine Schweizer Identität, die für sie ebenso selbstverständlich ist.

Und was ist das Ziel dieses Dialogs?

Anders als in der Ökumene kann es im Gespräch zwischen Christentum und Islam nicht um die Versöhnung sich widersprechender Aussagen gehen. Vielmehr geht darum, unterschiedliche Überzeugungen miteinander ins Gespräch zu bringen, damit der religiöse Friede gewahrt bleibt.

Die muslimische Fakultät in Sarajevo orientiert sich lieber nach Münster und Tübingen als nach Jakarta und Riad. Was können die Schweizer Universitäten dazu beitragen, dass das so bleibt?

Ich bin hier einem akademisch interessierten und intellektuell anspruchsvollen Islam begegnet. Das Gespräch zwischen evangelischer Theologie und islamischer Theologie, wie ich es hier gesehen habe, ist vielversprechend. Ich kann unseren Universitäten nur empfehlen, den Studentenaustausch und gemeinsame Lehrveranstaltungen ins Auge zu fassen. Für ein erstes solches Symposium biete ich gerne Hand.

Dient Ihnen die islamische Theologie, wie sie an einzelnen deutschen Universitäten bereits wissenschaftlich betrieben wird, als Vorbild für die Schweiz?

Aus kirchlicher Sicht bin ich interessiert am religiösen Frieden. Dafür können religiöse Riten und Texte nicht nur beschrieben werden, sondern die unterschiedlichen Bekenntnisse müssen sich in ihrer Verschiedenheit begegnen. Es ist eben etwas anderes, wenn ein überzeugter Christ und ein überzeugter Muslim über theologische Fragen diskutieren, als wenn ein christlich geprägter Religionswissenschaftler mit einem Fachkollegen aus dem muslimischen Kulturkreis ein Expertengespräch führt.

Was haben Sie in Bosnien über den Islam gelernt?

Mich beeindruckt, mit welchem Respekt Muslime von Jesus und Maria sprechen. Das bedeutet für mich auch, dass wir im Reformationsjahr, in dem wir das Solus Christus ins Zentrum rücken, ruhig noch mutiger von Christus sprechen dürfen.

Quelle: reformiert.
BOSANSKI

Danas je u Gazi Husrev-begovoj biblioteci održan tematski međureligijski naučni skup povodom posjete i susreta reisu-l-uleme dr. Husein-ef. Kavazovića i dr. Gottfrieda Lochera, predsjednika Saveza Evanđeoskih crkava Švicarske i predsjedavajućeg prezidijuma Saveza protestantskih crkava Evrope. „Nama u Islamskoj zajednici, i meni lično, čini veliku čast što imamo priliku ugostiti naše prijatelje iz Saveza Evanđeoskih crkava Švicarske. Mi smo bili njihovi gosti u Švicarskoj, koja Bosni sliči ne samo po ljepoti pejzaža nego i po tome što je oduvijek bila domovina ljudi različitih etničkih i vjerskih identiteta. Tada smo se obavezali da ćemo surađivati na zajedničkom dobru“, kazao je povodom ove historijske posjete reisu-l-ulema Kavazović.

Na sastanku su dva vjerska lidera potpisali Sarajevsku deklaraciju pod naslovom

Zajednička riječ o zajedničkom dobru“:

„Mi, poglavari Islamske zajednice u Bosni i Hercegovini i Saveza protestantskih crkava Švicarske, okupili smo se kako bismo naglasili našu moralnu obvezu da u zajedničkoj nam domovini Evropi radimo na promociji sljedećih zajedničkih istina i načela:

– Bog je Stvoritelj cijelog čovječanstva Koji je učinio svetim dostojanstvo i čast svakog čovjeka;

– Bog je darovao čovjeku slobodu izbora da odabere put vjere koji želi;

– Milostivi Bog nas je obavezao da se međusobno upoznajemo i da udružimo napore u ostvarivanju zajedničkoga dobra.

Polazeći od ovih istina i načela, obavezujemo se da ćemo zajedno s drugima učestvovati u izgradnji mostova razumijevanja i saradnje. Zajednički dižemo svoj glas protiv samoizolacije i samodostatnosti koja nas udaljava jedne od drugih. Istovremeno, osuđujemo i zabrinuti gledamo na porast nasilnog ekstremizma i netolerancije pa i ako dolaze iz naših redova“, stoji u Sarajevskoj deklaraciji u kojoj se dalje kaže:

„Kao ljudi vjere pozivamo naše sljedbenike i sve ostale ljude da zajednički preuzmemo odgovornost za našu zajedničku budućnost.

Ističemo jednakost osnovnih prava žena i muškaraca u našim religijskim tradicijama i pozivamo naše sljedbenike i sve druge da njeguju ovu univerzalnu vrijednost.

Mi ćemo se posvetiti pomaganju razvoja Islamske zajednice Bošnjaka u Švicarskoj kroz zajedničko poštivanje demokratskih načela i sekularnih vrijednosti koje Švicarci smatraju važnim obilježjem njihove kulture.  Ovakvo razumijevanje osnažit će sposobnosti  bošnjačkih imama da prakticiraju svoje vjersko poslanje u svjetlu spomenutih načela i vrijednosti.

Zato, još jednom, iz Sarajeva, grada koji je simbol borbe za ideju života u različitostima, ohrabrujemo sebe i sve ljude dobre volje na njegovanje otvorenosti, prihvatanja drugih i mirnog suživota. Različitosti bi trebale da nas obogaćuju a ne da nas dijele“, riječi su kojima završava danas potpisana Sarajevska deklaracija.

Povodom ovog historijskog čina reisu-l-ulema Kavazović je kazao: „Mi možemo svoje iskustvo institucionalnog življenja islama u evropskom društveno-političkom kontekstu podijeliti ne samo sa našim Bošnjacima koji žive u Švicarskoj nego i sa ostalim evropskim društvima i tamošnjim muslimanskim zajednicama. A mi od naših prijatelja iz Švicarske možemo učiti o njihovom ekumenskom iskustvu i načinima na koje je Evropa naučila upravljati svojim različitostima. To iskustvo nama u Bosni treba. Jer, kako su drugi evropski narodi našli načina da iza sebe ostave krvavu prošlost stalnih sukoba i neslaganja, vjerujemo da i narodi ovog dijela Evrope mogu učiniti isto“, rekao je reisu-l-ulema Kavazović.

„Poštovanje prema religiji se mora iznova izjednačavati i nanovo vrijednovati u odnosu na doseg i razvoj moderne pravne države. Religija je nešto što se mora stalno stavljati u fokus posebno u svjetlu sekularizacije. Religije u međureligijskoj saradnji daju svoj doprinos zajedništvu društva i ljudskosti ali i državnog uređenja. Životna iskustva vjernika različitih religija nadahnjuju djecu i mlade da se suočavaju sa različitim religija i uče koegzistirati sa njima“, kazao je između ostalog u svom obraćaju dr. Locher.

Pored reisu-l-uleme Husein-ef. Kavazovića i dr. Gottfrieda Lochera skupu su se obratili i član Predsjedništva BiH Bakir Izetbegović te prof. dr. Enes Karić, profesor Fakulteta islamskih nauka Univerziteta u Sarajevu. Dr. Karić je govorio o savremenom islamskom mišljenju i odnosu prema Martinu Lutheru i protestantizmu.

Izvor: islamskazajednica.ba