Positives Wirtschaftsklima in Bosnien-Herzegowina

Wien, 5. Juli 2016: Die aktuelle Studie von PRISMA Die Kreditversicherung beleuchtet das Wirtschaftsklima der südlichen Nachbarländer. Der Südosteuropa-Wirtschaftsindex zeigt für Bosnien Herzegowina erneut gute Stimmung trotz mangelnder Bewegung in der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die aktuelle Situation in Bosnien Herzegowina ist mit einem Wert von 57 im Ländervergleich fast auf Augenhöhe mit Serbien, das als der absolute Optimist am Balkan gilt und im Südosteuropa-Index einen Wert von 62 erreicht. Die positive Einschätzung in Bosnien Herzegowina ist in hohem Maße den Konzernen im Land zu verdanken (64 Punkte).

„Ganz können wir diese positive Stimmungslage nicht nachvollziehen beziehungsweise teilen. Man hat zwar den Antrag auf EU-Mitgliedschaft eingereicht, aber wann der Kandidatenstatus erteilt wird, wird stark davon abhängen, ob Bewegung in die Wirtschaft kommt. Ein positives Signal ist jedoch zu orten: Das BIP wuchs 2015 um mehr als 3 Prozent“, erklärt die zuständige PRISMA Kreditprüfungsexpertin Gudrun Meierschitz.

36 % der bosnischen Unternehmen sind aktuell mit ihrer wirtschaftlichen Situation (sehr) zufrieden. Das ist ein hervorragender Wert, den im Ländervergleich nur Serbien mit 41 % toppt und der ex aequo mit der Zufriedenheit österreichischer Unternehmen liegt. Bei der Einschätzung der Geschäftslage für das nächste Jahr liegt das Land mit 45 % im Mittelfeld der untersuchten Staaten. „Das ist eine interessante Entwicklung. 2014 wurden die kommenden zwölf Monate deutlich schlechter gesehen“, erläutert Meierschitz.

Jedes dritte KMU plant die Investitionen 2016 zu steigern, unter den Konzernen sogar jedes zweite Unternehmen.

Die Exportfreude der bosnischen Unternehmen steigt von 2014 auf 2016 um 10 Prozentpunkte und beträgt mittlerweile 24 %. Generell fällt auf, dass im Schnitt nur die Hälfte aller SEE-Unternehmen exportiert. Meierschitz: „Bosnien hinkt in mehrfacher Hinsicht hinter den anderen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens hinterher. Dies lässt sich mit der politischen Instabilität und der fehlenden Infrastruktur erklären.“

Steigende Investitionsfreude: Voriges Jahr wollten 30 % der Bosnier verstärkt investieren, heuer sind es bereits 35 %. Jedes dritte KMU plant die Investitionen zu steigern, unter den Konzernen sogar jedes zweite. „Die optimistischen Investitionsaussagen der Befragten kann man im Zusammenhang mit dem seit Monaten steigenden Investitionsinteresse aus dem arabischen Raum sehen. Davon profitieren sicher einzelne Interessensgruppen“, so Meierschitz.

Zahlungsmoral als wichtiger Wirtschaftsindikator: In Bosnien beklagen 24 % eine (sehr) schlechte Zahlungsmoral – gleichzeitig sagen 53 %, dass sie damit (sehr) zufrieden sind. Tatsache ist, man wartet lange auf die Bezahlung von offenen Forderungen. Mit 39 Tagen liegt Bosnien Herzegowina auf dem vorletzten Platz. Nur Slowenien reiht sich mit 47 Tagen dahinter ein. Knapp 80 % der Unternehmen hatten 2015 mindestens einen Zahlungsausfall zu verkraften.

Das Risiko eines Zahlungsausfalls ist für die Unternehmen in diesem Land auch mit Abstand das bedrohlichste Szenario (27 %). Rechtshemmnisse (15 %), Marktbedingungen (14 %) und Wettbewerb (13 %) werden zusätzlich immer wieder genannt.

„Auch wenn es innerhalb des Landes offenbar zu Zahlungsverzögerungen kommt, scheint das Zahlungsverhalten gegenüber ausländischen Lieferanten in Ordnung zu sein, sonst würden wir mehr Verzugsmeldungen erhalten“, kommentiert Meierschitz diese Entwicklung.

Spontane Assoziationen mit negativem Tonus: Interessant sind die Zuschreibungen der Nachbarländer, wenn es um die ökonomische Situation von Bosnien Herzegowina geht. Kroatische Unternehmen urteilen am härtesten mit Begriffen wie „instabil“ (28 %), „schlimmer als bei uns“ (17 %) oder „unprofessionell“ (14 %). In Slowenien ist die vorherrschende Meinung zu 29 % „schlechte, nicht erfolgreiche Wirtschaft“.

Demgegenüber sagen die Serben „gleich wie bei uns“ (12 %) oder „schlechter als bei uns“ (10 %). Österreich meint eher „herausfordernd“ (13 %), aber auch „erfolgreich“ (5 %). „Kulturelle und historische Erfahrungen sind hier wohl immer noch im Spiel“, konstatiert Meierschitz.

Studiendesign

Die Untersuchung wurde im Jänner 2016 durchgeführt. Zielgruppe waren kleine und mittlere Unternehmen (small and medium-sized enterprises, SME) und Konzerne (Corporate Companies), die Business to Business arbeiten. Methode: CATÍ (Computer Assisted Telephone interviewing). Pro Land wurden 150 Unternehmen befragt. Die Hälfte der Unternehmen waren KMU, die andere Konzerne.

Quelle: PRISMA.

Bild: Gorazde, by Alen Djuderija Photography.