Ramadan in Sarajevo: Gemeinschaftlichkeit, die nicht schläft

Sarajevo ist eine Stadt voller Unterschiede, und so begehen auch unterschiedliche Leute auf ihre Art den Ramadan. Sie ermöglicht jedoch jedem, der die Absicht hegt, diesen heiligen Monat in seiner Fülle zu erleben. Von Tijana Šarac (IZ).

Denn in Bosnien wird seit Jahrhunderten die Tradition des Islams und des Ramadan gepflegt. Der Ramadan ist hier ein wertvoller Gast, auf den man freudig das ganze Jahr wartet. Auf gewisse Art erblüht die Stadt in dieser Zeit. Die Gesichter sind erhellt, in der Luft spürt man Rahma und Baraka.

Tagsüber sind die Straßen ruhiger als sonst. In den Moscheen liegt eine besondere Süße während der Qur’anrezitation verborgen. Die Gebetsräume sind gefüllt mit andächtigen Gläubigen, die in den Genuss kommen, den lieblich klingenden Stimmen der Huffadh zuzuhören.

Kurz vor Anbruch des Sonnenuntergangs erweckt alles zum Leben. Der Beginn des Iftar wird den Fastenden durch das Schießen aus einer mittelalterlichen Kanone vom Berg herab signalisiert.

Eine der beliebtesten Aktivitäten der jungen Menschen ist sicherlich der „Jugend-Iftar“, der in mehreren Moscheen angeboten wird. Jugendliche sind allgemein aktiv in ihren Gemeinden, insbesondere während des Ramadan. Sie geben Essen an Bedürftige und besuchen Moscheegemeinden von Rückkehrern (im Krieg geflohene Muslime, die an ihre Heimatorte zurückgekehrt sind und Hilfe benötigen). Ebenso wird islamischer Unterricht für Hörgeschädigte und Taubstumme angeboten.

Die Gemeinde der „Tabacki Mesdzid“, ein Zusammenschluss von Jungs und Mädels, die gemeinsam lernen, beten und den Menschen dienen, ist hier besonders vorbildhaft. Die Masdschid besteht seit 1591 und heißt gerne interessierte Besucher willkommen.

Im Allgemeinen freuen sich die Imame und Gemeindemitglieder immer über Besuch von Touristen, die den Islam und seine spezielle europäische Ausprägung in Bosnien kennenlernen möchten. Gerne und stolz zeigen sie ihre Moscheen und erzählen von der reichen Geschichte ihres Volkes und seiner Religion.

Sarajevos Moscheen sind zum Tarawwih-Gebet stets gefüllt mit jenen, die regelmäßig in der Gemeinschaft beten und solchen, die sich vom Geist des Ramadan besonders inspiriert fühlen, etwas mehr Zeit in der Moschee zu verbringen. Vor der Begova-Dzamija, inmitten der Altstadt, ist am meisten was los. Die unzähligen Gebetsteppiche werden auf dem Hof der Moschee fast bis zum Eingang des Harems ausgerollt, damit Männer und Frauen ihren Platz zum Beten finden.

Bis zur Morgendämmerung schläft die Stadt nicht. In und vor den Cafés der Altstadt sitzen die Menschen beisammen und nehmen ihren Suhur ein. Manch einer holt die Gitarre hervor und man singt gemeinsam alte bosnische Volkslieder oder auch moderne Rocksongs. Die Bosnier sind ein fröhliches Volk, so auch im Ramadan.

Die Morgendämmerung ist eines der schönsten Erlebnisse in diesen gesegneten Tagen. Wie ein bosnischer Schriftsteller einst sagte: „Wenn man mich fragen würde, was mir am schwersten fiele, in dieser Welt loszulassen, würde ich antworten: Die Morgendämmerung, die Frühlingsblüten und das Iftar. Wer die Schönheit in ihnen kennt, wird mich verstehen.”

Quelle: Islamsiche Zeitung