Sarajevo kann das neue Berlin werden (1) – Edin Saračević

Edin Saračević und Edin Mehić – die zwei verbindet mehr als der gemeinsame Name. Im Interview für das Magazin Pangea haben sie sich an ihre ersten Schritte erinnert, ihren Weg zum Erfolg beschrieben und uns erzählt, welches Potenzial sie in der Diaspora sehen. Mit Edin Saračević haben wir den Anfang gemacht:

Herr Saračević, nach dem Studium der Naturwissenschaften haben Sie während des Bosnien-Krieges Sarajevo verlassen. Welche Assoziationen haben Sie, wenn Sie an diese Zeit in Ihrem Leben denken, an die Eingewöhnung in eine völlig neue Umgebung und Mentalität?

Die Ankunft in die USA war für mich ein Prozess der Demystifizierung des Hollywood-Mythos eines Landes, das wir alle sehr gut von der Filmleinwand und sorgfältig gestalteten Szenerien kennen. Natürlich sah dies alles in der Realität ganz anders aus. Nach dem intensiven sozialen Leben in Sarajevo und Zagreb war mein erster und stärkster Eindruck der Vereinigten Staaten, dass alle viel arbeiten und die alltägliche soziale Interaktion in Form von „Wir sehen uns beim Kaffee“ einfach nicht existiert. Während der Woche war der Schwerpunkt auf der Arbeit und nur am Wochenende traf man sich auf einen Kaffee.

Ich erinnere mich, dass diese großen Unterschiede im Alltagsleben für mich bizarr waren. Natürlich, nach den ersten Eindrücken wurde es bald offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten dieses einzigartige Land sind, das Gelegenheiten für all jene bietet, die davon träumen, ihre großen unerfüllten Träume in die Realität umzusetzen. Dieses Fiebern nach dem „Amerikanischen Traum“ ist genau die Energie, die das gesamte System stimuliert und der wichtigste Treiber des Fortschritts des Landes ist.

Im Jahr 1999 haben Sie Ihr eigenes Unternehmen gegründet. Woher kam die Idee hierfür?

Nach den ersten paar Jahren und der Erkenntnis über die Möglichkeiten, die die Vereinigten Staaten bieten, besonders in der Aufstiegsphase des Internets als „the next big thing“, habe ich mich im Jahr 1999 entschieden, eine Firma zu gründen, die auf der Idee eines interaktiven Stadtführers konzipiert wurde. Das Unternehmen hieß „ e Map Network“ und war eine Online-Erweiterung der touristischen Stadtpläne, die in Hotels verteilt wurden. Nach sechs Jahren war „e Map Network“ der offizielle Kartenanbieter für mehr als 55 der wichtigsten Ziele in den USA, einschließlich aller bedeutenden Städte und touristischen Destinationen. Nach „e Map Network“ bin ich 2009 Mitbegründer von „Personal.com“ gewesen, die als Cloud-Plattform für persönliche Daten gedacht war. In den drei Jahren zwischen „e Map Network“ und „Personal.com“ habe ich für die amerikanische Firma NAVTEQ und das finnische Unternehmen Nokia gearbeitet.

Was hat Sie motiviert, trotzdem nach Sarajevo zurückzukehren?

In all diesen Jahren habe ich nie den Kontakt zu Sarajevo verloren, ich bin ständig zurückgekehrt, sowohl geschäftlich als auch privat. Während dieser Zeit hatte ich ständig ein Software Developer-Team in Sarajevo, das exklusiv für die Firmen gearbeitet hat, die ich in den Vereinigten Staaten gegründet oder in denen ich gearbeitet habe.

So ist die Entscheidung, in Sarajevo einen Tech-Park zu gründen, nur eine natürliche Erweiterung dessen, was ich mehr als ein Jahrzehnt lang bereits getan habe. Der Bedarf an einem IT-Park in Sarajevo und Bosnien und Herzegowina hat mehrere wichtige strategische Implikationen mit sich gebracht, die die Grundlage für diese Initiative darstellen.

Auf der einen Seite war der Wunsch, Bosnien und Herzegowina als besonderen Standort für qualitativ hochwertige digitale Software-Outsourcing-Dienstleistungen zu etablieren und damit direkt in die moderne digitale Wirtschaft einzugliedern. Das Ziel war es, Bosnien für ein bevorstehendes globales Wachstum im Bereich der digitalen Dienstleistungen zu positionieren, die eine große Anzahl von qualitativ hochwertigen Arbeitskräften beansprucht. Das zweite wichtige Element war die Popularisierung des IT-Sektors unter der jüngeren Generation, die sich gerade für einen Karriereweg entscheidet. Der dritte war der Versuch, die Auswanderung unserer hochtalentierten Mitarbeiter zu stoppen und sie in ihrem Heimatland zu halten, und zwar durch die Schaffung eines starken IT-Ökosystems, das sich als treibende Kraft für die Entwicklung der bosnischen Wirtscha entwickeln könnte.

Welche Vision der Wirtschaft wollen Sie durch HUB387 in Bosnien etablieren?

Ich möchte Bosnien in den Prozess der modernen Wirtschaft integrieren, und zwar auf Grundlage von neuen IT-Technologien und Know-how. Damit eröffnen wir den Menschen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auf dem globalen Marktplatz zu präsentieren und davon zu profitieren.