Sarajevo kann das neue Berlin werden (2) – Edin Mehić

Edin Saračević und Edin Mehić – die zwei verbindet mehr als der gemeinsame Name. Im Interview für das Magazin Pangea haben sie sich an ihre ersten Schritte erinnert, ihren Weg zum Erfolg beschrieben und uns erzählt, welches Potenzial sie in der Diaspora sehen. Teil 2 der Titelstory setzen wir mit Edin Mehić fort.

Wer ist eigentlich Edin Mehic?

Ich bin in erster Linie ein Unternehmer, was bedeutet, alles sein zu können, man hat immer die Wahl und kann wählen, was als nächstes zu tun ist. Mich hat die Idee der Freiheit und die Möglichkeit, meinen Arbeitstag eigenständig zu planen, schon immer angezogen. Mein erstes Unternehmen habe ich gegründet, als ich die rechtlichen Voraussetzungen dafür erfüllte, also mit 18 Jahren. Dabei ging es um eine Software für Videotheken. Parallel habe ich Mathematik und Informatik studiert, wobei sich meine akademische Karriere in die Länge zog, da mich das Business mehr interessierte und reizte. Im Laufe der Zeit kehrte der Hunger nach Wissen zurück, ich wollte meine Erfahrungen in etwas Größeres umwandeln, was mich zu meinem Masterstudium an der York University in Großbritannien im Bereich Change & Innovation Management brachte. Es gibt einen Punkt, der einen Internet-Unternehmer von einem klassischen Unternehmer unterscheidet. Wir sind relativ verrückt, da wir viel mehr tun müssen, um die Menschen davon zu überzeugen, ihre Angewohnheiten zu verändern. All die Jahre habe ich versucht an Projekten zu arbeiten, die eine gesamtgesellscha liche Relevanz haben. In der Umgebung, in der wir uns heute in Bosnien befinden, ist es nicht immer der einfachste Weg zum Erfolg. Jedoch verstehe ich es auf eine andere Art und Weise.

Welche Vision der Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina möchten Sie durch Networks etablieren?

Wir Unternehmer sind ständig hungrig nach Neuem, wir sind nie zufrieden und denken nicht, dass es das letzte Projekt war, an dem wir gearbeitet haben. Ich habe eingesehen, dass wir mehr machen wollen für die Gesellschaft. Mein Wunsch ist es nicht nur ein Unternehmen, sondern eine Vielzahl von Unternehmen zu gründen und damit den Menschen zu helfen, einen Job zu bekommen.

Unser langfristiges Ziel ist es, die Gesellschaft zu verändern, eine Gesellschaft mit mehr Unternehmertum zu schaffen, da sich meiner Meinung nach die Gesellschaft in Bosnien und Herzegowina nur dann ändern wird, wenn wir Menschen haben, die etwas schaffen und ändern wollen. Nur eine kleine Anzahl von Menschen entscheidet sich für die Selbstständigkeit und für mich ist es einer der wesentlichen Faktoren der hohen Arbeitslosigkeit.

Unsere Vision ist, mehr Möglichkeiten für junge Menschen zu schaffen und sie zu motivieren, sich gesellschaftlich und wirtschaftlich zu engagieren. In einer Gesellschaft, die nicht über den Tellerrand hinausschaut, hört es sich sehr befremdlich an, wenn man mit seinem Geschäftsmodell anderen Menschen helfen möchte. Im Grunde müsste dies das Ziel jedes Unternehmens sein, denn ich könnte mir nicht vorstellen für ein Unternehmen zu arbeiten, dass den Fokus nur auf den Produkt legt, ohne den Wunsch, ein größeres Problem zu lösen.

Wir in Networks haben kein Problem mit der Motivation, da wir wissen, wie wichtig unsere Arbeit ist. Es passiert einiges in unserem Land, in Tuzla, Mostar oder Banja Luka. Auch wenn es für die Leute hier nicht den Anschein macht, entwickelt sich Bosnien relativ schnell, in den Bereichen Infrastruktur oder Tourismus geht es sichtlich bergauf. Wenn wir mit unserer Absicht Erfolg haben und unsere Produkte auf jungen Talenten und dem Export basieren, wir gleichzeitig Geld verdienen und alle Vorteile genießen, die wir hier haben, ist es die gewinnbringende Kombination.

Leider funktionieren immer noch alte Geschichten und Vorurteile, die keinen weiterbringen, aber ich bin zuversichtlich, dass diese Zeit relativ schnell vorbeigehen wird und dass die Leute einen natürlichen Reflex gegen solche Geschichten aus der Vergangenheit entwickeln werden, weil sie einfach besser leben und nicht mehr in der Vergangenheit gefangen sein möchten. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die bosnische Gesellschaft eines Tages eine andere sein wird, sich auf neue Prinzipien berufen wird. An uns liegt es, die treibende Kraft für eine solche Entwicklung und die Schaffung dieser neuer Prinzipien und Werte zu sein.

Wenn wir über die bosnische Diaspora sprechen – welche Bedeutung hat diese für Sie?

Die Menschen in der Diaspora sind einer der wichtigsten Faktoren für die Schaffung neuer Möglichkeiten und Ideen in Bosnien. Sie sind die wertvollste Ressource, die Veränderungen innerhalb der Gesellschaft anzukurbeln und zu beschleunigen. Und das ist bereits heute ist der Fall. Wir haben an Studien teilgenommen, die gezeigt haben, dass die bosnische Diaspora 90% der exportorientierten Unternehmen in Bosnien mitbegründet hat oder maßgeblich an der Gründung beteiligt war. Wenn wir das Ganze auf Networks beziehen, sind es genau die Menschen aus der Diaspora, die uns die Möglichkeit gegeben haben, mit großen Unternehmen in Kontakt zu treten und neue Software-Lösungen zu erarbeiten.

Vollständiges Interview mit posao.ba-Gründer Edin Mehić könnt ihr in deutscher und bosnischer Sprache in der ersten Ausgabe von Pangea lesen > HIER!

Teil 1 der Titelstory – das Interview mit Edin Saračević könnt ihr hier lesen:

Sarajevo kann das neue Berlin werden (1) – Edin Saračević