20 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Leipzig und Travnik

Wer es seit nunmehr 20 Jahren schafft, bürgernah und intensiv eine Partnerschaft zu organisieren, darf so einen runden Geburtstag wohl mit Freuden feiern. So geschehen in Leipzig, wo der Städtepartnerschaftsverein Leipzig-Travnik gut 120 Gratulanten aus beiden Kommunen begrüßen konnte. Von Angelika Raulien (Leipziger Volkszeitung).

Eine 48-köpfige Delegation aus der Partnerstadt war angereist, darunter der Ministerpräsident des Mittelbosnischen Kantons, Tahir Lendo, Travniks Bürgermeister Admir Hadziemric und Stadtratspräsidentin Vlatka Lukic. Aus der Botschaft von Bosnien und Herzegowina in Berlin war überdies Botschaftsrätin Slavica Horvat Schöne gekommen.

Der Verein mit zwei Büros – eines in Leipzig in der Magazingasse 4 und eines in Travnik – zählt in beiden Städten 163 Mitglieder, darunter zig Einzelpersonen, weitere Vereine und 14 fördernde Unternehmen. „Sie haben so viele Städtepartnerschaften unter Ihren Fittichen. Was ist denn das Besondere an dieser Verbindung?“, hakte LVZ-Lokalchef Björn Meine, der den Abend moderierte, etwa bei Gabriele Goldfuß vom städtischen Referat Internationale Zusammenarbeit nach. „Dass sie von unten herauf gewachsen ist. Und dass auch in keiner anderen Leipziger Städtepartnerschaft so wie in dieser so viele Ideen und Projekte aus dem Kreis der Mitstreiter heraus kommen, um eine Partnerschaft umzusetzen“, so die Rathaus-Frau.

Ihm sei die Situation 1997 noch unvergesslich, als der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina beendet war, während dem auch Leipzig viele Flüchtlinge aufgenommen hatte, erinnerte Oberbürgermeister Burkhard Jung in seiner Festrede. „Einige in unserer Stadt redeten dann nicht nur, sondern bewegten etwas, packten an und bauten Brücken“, zielte der OBM auf den Partnerschaftsverein ab, bei dem er selbst in den zurückliegenden Jahren immer wieder Schirmherr für einzelne Projekte war. Etwa für ein Kino in Travnik, für Benefizkonzerte. Zugleich lobte er, die Beziehung sei nicht eingleisig. „Es gibt viel von Travnik zu lernen und wir haben jedesmal auch für uns viele Anstöße mit heimgenommen.“

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„Immer, wenn wir uns mit Vertretern anderer Städte im Mittelbosnischen Kanton über das Thema Städtepartnerschaft austauschen, sagen die anderen: Ihr habt es gut, solch einen Partner zu haben!“, erzählte Jungs Amtskollege Hadziemric und fügte hinzu: „Eines ist aber auch klar. Gebe es nicht diesen Ehrenbürger von Travnik, Michael Weichert, und Heike König und all die anderen Engagierten, gebe es diese Partnerschaft auch nicht!“

Die Sache mit dem absolut bewunderungswürdigen Engagement griffen die beiden Vereinsspitzen Heike König und Michael Weichert im Laufe des Abends dann auch nochmal auf. „Wir möchten erstmals sechs Persönlichkeiten mit unserem neuen Leipzig-Travnik-Preis würdigen“, verkündeten sie. Zu den dann Geehrten gehörte Azem Ejubovic, seit 20 Jahren Leipzigs kompetenter Vor-Ort-Büroleiter in Travnik. Und – posthum – Jürgen Selitrenny aus der Messestadt, der den Verein maßgeblich mit aufgebaut hatte und im Vorjahr verstorben war.

Vize-Vereinsvorsitzende Heike König dazu im Interview.

Was war der Auslöser, 1997 den Verein Leipzig-Travnik zu gründen?

Einerseits die Betroffenheit, dass es in Europa nach der Friedlichen Revolution wieder Krieg gab – 1992 bis 1995 in Bosnien und Herzegowina. Und dass kaum jemand davon mehr Notiz nahm. Andererseits, dass wir in Leipzig schon reichlich Erfahrung bei der Transformation gesammelt hatten. 1997 stand Travnik vor denselben Problemen wie Leipzig 1946 und 1990. Also Kriegsschäden beseitigen, kommunale Selbstverwaltung und Marktwirtschaft zu entwickeln. Außerdem waren und sind wir ziemlich neugierig.

Anfangs lag der Focus eher auf Hilfsgütertransporten in das vom Bürgerkrieg gebeutelte Städtchen, doch aus diesen Kontakten entwickelten sich unzählige Projekte, die zum Selbstläufer wurden. Auf welche sind Sie besonders stolz?

Vor allem natürlich auf Projekte, die die Jugend beider Städte zusammenführen: gemeinsame Choreografien der Travniker und Leipziger Tänzerinnen, konkret jener vom Kreativzentrum Grünau. Es gibt regelmäßige Basketballturniere der Jugendmannschaften von BBVL und KK Travnik und gemeinsame Konzerte der Musikschulen. Entstanden sind gemeinsame Kitaprojekte und die Partnerschaft der Albert-Schweitzer-Schule mit dem Zentrum für behinderte Kinder Novi Travnik. Inzwischen gedieh aber auch der wirtschaftliche Austausch und die Zusammenarbeit beider Städte bei der Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele. Und ganz wichtig: In Travnik gibt es seit 2008 einen Leipziger Platz, den wir gebaut haben und seit 2016 eine mit deutsch-bosnischen Spendenaktionen finanzierte Orgel im Koster Guca Gora. In Leipzig haben wir eine Travniker Straße und eine auf „Travnik“ getaufte Straßenbahn.

Wer Geburtstag hat, darf sich etwas wünschen. Was wäre diesbezüglich aus dem Städtepartnerschaftsverein zu hören?

Dass in beiden Städten Menschen nachwachsen, die dafür sorgen, dass wir zum 40. Geburtstag eine noch genauso lebendige Städtepartnerschaft von unten leben können, und viele aktive Mitglieder haben. Und dass Travnik sowie Bosnien-Herzegowina dann ein beliebtes Reiseziel vieler Leipziger innerhalb der Europäischen Union geworden sind.

Quelle: Leipziger Volkszeitung.