Bosanski

Als Flüchtling nach Österreich gekommen, wieder nach Bosnien zurückgekehrt, heute ein erfolgreicher Geschäftsmann in Deutschland – diese Lebensgeschichte trifft auf Amil Hota zu. Im Interview für das Magazin Pangea beschreibt er seinen bisherigen Weg und verrät, was er noch für Ziele in der Zukunft hat.

Interview: Ahmed Spahic, Pangea

Amil Hota

Als Amil Hota sich im April 1992 mit seiner Mutter, Schwester und einem Cousin auf den Weg nach Skopje machte, um dem Krieg zu entkommen, ging seine Mutter davon aus, nach 14 Tagen wieder nach Sarajevo zurückkehren zu können. Aus den 14 Tagen wurde eine 1425 Tage dauernde Belagerung der Stadt, die Hota als Person geprägt haben. „Der Krieg hat meine damaligen Umstände dermaßen verändert, dass es mich als Person und meine Entwicklung geprägt hat, ohne sagen zu können, ob ich ohne die Umstände heute eine bessere oder schlechtere Person wäre.“

Von Skopje ging sein Weg weiter nach Wien. In Österreich angekommen konnte er sich relativ schnell mit der Sprache vertraut machen und anderen Flüchtlingen bei der Suche nach Arbeit oder bei Amtsbesuchen behilflich sein. 1997 führte ihn der Weg wieder zurück nach Sarajevo, wo er neben schulischen Verpflichtung als Dolmetscher arbeitete. Den ersten Kontakt zu seinem späteren Arbeitgeber in Sarajevo, dem Volkswagen-Konzern, stellte er bei der Wiedereröffnung des VW-Werks in Vogošća her, wo er als Simultanübersetzer für das bosnische Fernsehen arbeitete. Kurz darauf begann sein Weg von der Presseabteilung hin zum PR-Berater des Vorstandes. „Zu der Zeit war ich zwar eingeschriebener BWL-Student, fand jedoch selten den Weg in die Vorlesungen, weil das neben meinen beruflichen Verpflichtungen nicht immer möglich war“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

Von Österreich über Sarajevo nach Berlin

Den Weg zurück in den deutschsprachigen Raum, genauer nach Berlin, ebnete seine Ehefrau, die er 1997 in Sarajevo kennen lernte. In Deutschland angekommen sah er sich gut vorbereitet für einen schnellen Berufseinstieg. „Für mich persönlich war ich der meistgesuchte Arbeitssuchende in ganz Deutschland. Ich sprach drei Sprachen fließend, hatte recht viel Erfahrung und mehr Jahre im Beruf verbracht als Studienjahre und dachte, ich würde auf Anhieb eine gute Stelle finden.“ Nach 80 Bewerbungen und genau so vielen Absagen machte sich aber Ernüchterung breit. Erst die Antwort eines Personalberaters brachte Licht ins Dunkel – die Unternehmen glaubten dem Profil aus den Bewerbungsunterlagen schlichtweg nicht. „Es schien nicht normal zu sein, zu studieren und nebenbei der jüngste Mensch mit einem Vorstandsberatervertrag im VW-Konzern zu sein.“

 

Zu seiner aktuellen Position als Geschäftsführer der Kommunikationsberatung „Blumberry“ kam er auch durch seine Vergangenheit innerhalb des VW-Konzerns. „Nach meinem Einstieg bei „Scholz & Friends“, einer der größten und renommiertesten Agenturen des Landes, übernahm ich den Pitch für die internationale Markteinführungskampagne des VW up!. Wir gewannen den Pitch und fanden uns in der Situation wieder, gleichzeitig Opel und Volkswagen zu beraten. Um mögliche Konflikte zu vermeiden, entschied sich unsere Muttergesellschaft, die Commarco-Holding, für die Gründung einer neuen Agentur unter dem gleichen Dach mit dem Namen „Blumberry“.

CDU-Kampagne für die Bundestagswahlen 2013

In den bosnischen Medien wurde Hota durch die Zusammenarbeit zwischen Blumberry und der CDU für die Kampagne zu den Bundestagswahlen 2013 bekannt. „Das Projekt für den Volkswagen up! hat unsere Gründung ermöglicht, mit der 2012 gewonnenen Kampagne für den Bundestagswahlkampf der CDU haben wir uns etabliert. Nach der Wahlkampf-Kampagne der CDU wurden wir als kompetente Beratung wahrgenommen, die auch große Projekte erfolgreich absolvieren kann. Immerhin konnten meine Kollegen, die dieses Projekt direkt betreuten, unseren Teil zu dem Wahlergebnis der CDU jenseits der 40% beitragen“.

Für die diesjährigen Bundestagswahlen habe man sich jedoch gegen eine erneute Zusammenarbeit entschieden. „Blumberry berät heute viele große Branchenverbände und Unternehmen und übt in deren Auftrag Kritik an der Regierung in Sachen Steuern, Digitalisierung, Standort-Rahmenbedingungen, Arbeitsrecht und vielen anderen Themen. Dann können wir nicht einfach sagen „Gut, jetzt beraten wir die Politik und geben unser Bestes, die Wahlen zu gewinnen und den Status quo beizubehalten“.

Deutschland und Bosnien im Vergleich

„Die Unterschiede zwischen Deutschland und Bosnien sieht er sehr zahlreich und vielfältig und nennt als Beispiele die Mentalität und die längere Friedensphase, die in Deutschland herrscht. „Nach dem 2. Weltkrieg, der für die meisten Europäer Narben hinterließ, wurden diese in Bosnien vor 25 Jahren erneut aufgerissen.“ Seitdem würden unverantwortliche Politiker die aktuelle Lage für ihre eigenen Interessen nutzen, begünstigt durch eine „skandalöse Verfassung und Verwaltungsstruktur“. Einen wichtigen Faktor der aktuellen Lage in seiner Heimat sieht er aber in den Menschen selbst. „In China gibt es eine gute Redewendung, die zur aktuellen Situation in Bosnien passt: „jedes Volk hat genau die Regierung, die es verdient“. Diesen Satz kann ich nur unterstreichen. Die drei ethnischen Gruppen werden von ihren politischen Führern instrumentalisiert und missbraucht. Man macht den Menschen Angst vor „den Anderen“ und lenkt so von den eigenen Machenschaften ab. Vermeintliche Intoleranzen und ethnische Unruhen, von denen die Politiker täglich sprechen, existieren im Alltag fast gar nicht. Und sie sind mit Sicherheit nicht das Hauptproblem des Landes und ihrer Völkergruppen. Dennoch bekommen seit 25 Jahren die gleichen Parteien die meisten Stimmen. Dafür habe er kein Verständnis. „Bezüglich der Verfassung sehe ich die Internationale Gemeinschaft in der Verpflichtung, denn, die heutige politische Patt-Position ist eben auch das Ergebnis der Arbeit der Internationalen Gemeinschaft.“

Die zukünftige Entwicklung des Landes sieht er aber nicht pessimistisch und will mit eigenem Beispiel vorangehen. „Mein Ziel ist es, eine Stiftung gründen, die Sportler aus Bosnien-Herzegowina unterstützt. Insbesondere in Einzelsportarten wie Tennis, Leichtathletik oder Ski-Fahren möchte ich jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich professionell mit ihrer Sportart auseinanderzusetzen und zu verbessern. Damit meine ich ein Gesamtkonzept, angefangen vom Scouting junger Talente über die professionelle Förderung bis hin zur langfristigen Unterstützung“. Das Hauptziel sei es, Vorbilder für Jugendliche zu schaffen und damit einen positiven Ruck innerhalb der jüngeren Generation zu schaffen. Geplanter Start der Stiftung sei das Jahr 2018.


Mehr Beiträge in der zweiten Ausgabe des Magazins Pangea!